Seit 1994: Mercedes-Benz in der Formel 1

10.03.2014
  • Zunächst Kooperationen mit Sauber und McLaren
  • Weltmeisterschaftsgewinne 1998, 1999 und 2008
  • Seit 2010 setzt Mercedes-Benz wieder ein eigenes Werksteam ein
In die Königsklasse des Motorsports, die Formel 1, kehrt Mercedes-Benz offiziell im März 1994 in einer Kooperation mit Peter Sauber zurück. Das spätere Team McLaren-Mercedes wird 1995 gegründet und erreicht 3 Fahrer-Weltmeisterschaften (1998, 1999 und 2008) sowie die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft 1998. Ab 2010 setzt Mercedes-Benz dann wieder auf ein eigenes Werksteam. Zur Sensation wird dabei die Verpflichtung von Michael Schumacher, des wohl größten Stars der jüngeren Formel-1-Geschichte.
Der Weg von Mercedes-Benz zum ersten eigenen Werksteam seit 1955 beginnt mit vergleichsweise kleinen Schritten: Der Rennwagen C 12, mit dem das Sauber-Team 1993 in der Formel 1 antritt, trägt den Verweis „Concept by Mercedes-Benz“ . Noch hat sich die Stuttgarter Marke nicht gänzlich entschieden, sich wieder in der obersten Rennsportklasse zu engagieren. Aber Mercedes-Benz unterstützt den langjährigen Partner aus der Gruppe C mit Know-how im Bereich der Entwicklung des Ilmor-Motors. Die Sauber-Piloten Karl Wendlinger und JJ Lehto (Jyrki Juhani Järvilehto) kommen in dieser Saison auf die Plätze 11 und 13 der Fahrerwertung, dem Team gelingt ein 6. Platz in der Konstrukteurswertung mit 12 Punkten.
Der Sauber-Mercedes C 13 des Jahres 1994 trägt dann endgültig den Namen der Stuttgarter Marke zurück auf die Rennstrecke. Er wird wieder von einem Zehnzylindermotor, der bei Ilmor gebaut wird, angetrieben. Dieser leistet 515 kW (700 PS) bei 14.000/min und beschleunigt das Auto auf bis zu 340 km/h. Am Ende der von mehreren Regeländerungen geprägten Saison liegen die Fahrer Heinz-Harald Frentzen, Karl Wendlinger und Andrea de Cesaris auf den Plätzen 13, 19 und 20, in der Konstrukteurswertung ergibt sich Rang 8. Der Abstand zu den erfolgreichen Teams Williams-Renault und Benetton-Ford ist noch sehr groß.
1995 betritt ein neues Team die Bühne der Formel 1: Nach der enttäuschenden Zusammenarbeit mit Sauber trennt sich Mercedes-Benz zum Jahresende 1994 von den Schweizern und kooperiert nun mit dem traditionsreichen britischen Rennstall McLaren International. Dessen Besitzer Ron Dennis hat schon Ende der 1980er-Jahre Verbindungen zu Mercedes-Benz geknüpft. In nur viereinhalb Monaten entsteht der völlig neu konstruierte Motor FO 110 für den McLaren-Mercedes MP4-10 des Jahres 1995. Der Monoposto ist das erste Ergebnis der Partnerschaft von McLaren mit Mercedes-Benz und der Motorenschmiede Ilmor. Nach einem 4. Platz in der Konstrukteurswertung 1995 und 1996 erringen Mika Häkinnen und David Coulthard 3 Siege in der Saison 1997 und sichern sich Platz 6 und 4 in der Weltmeisterschaft.
Den Gewinn der Weltmeisterschaft erreicht die deutsch-britische Rennkooperation 1998 mit einem Doppeltriumph: Auf dem McLaren-Mercedes MP4-13 dieser Saison wird Mika Häkkinen Weltmeister, während Coulthard Platz 3 der Fahrerwertung belegt. Zugleich siegt McLaren-Mercedes überlegen in der Konstrukteursmeisterschaft vor Ferrari und Williams. Auf das Konto der Silberpfeile, die seit 1997 wieder die traditionelle Rennfarbe Silber tragen, gehen 1998 Siege in Australien, Brasilien, Spanien, Monaco, Österreich, Deutschland, Luxemburg und Japan (Häkkinen) sowie San Marino (Coulthard).
Der Weltmeisterschaftswagen MP4-13 basiert in seiner Grundkonzeption zwar auf dem Vorjahresmodell MP4-12, muss aber in vielen Details grundlegend modifiziert werden, um den Reglementänderungen für die Rennsaison 1998 zu entsprechen. So werden Spurweite und Gesamtbreite des Fahrzeugs um 200 Millimeter verringert, was wiederum umfangreiche Modifikationen an der Aerodynamik verlangt. Charakteristisch für den MP4-13 ist die tief nach unten gezogene Nase, die erst knapp über dem vorderen Flügel endet. Das reglementgemäß nun breitere Cockpit ist zur Optimierung der Gewichtsverteilung weiter nach hinten gerückt. Das führt zu einem gegenüber dem MP4-12 größeren Radstand und zu einer geringfügig vergrößerten Gesamtlänge.
Der hervorragende Ruf von Mercedes-Benz als Motorpartner internationaler Rennteams beschränkt sich aber nicht auf die Formel 1. Legendär ist zum Beispiel die Saison 1994 der CART IndyCar World Series, die das amerikanische Penske-Team mit einem bei Ilmor gebauten Mercedes-Benz Motor gewinnt. Damals siegen die Penske-Wagen bei 12 von 16 Rennen, unter anderem bei den 500 Meilen von Indianapolis. Von 1994 bis 1999 sind die Wagen des Penske-Teams mit Mercedes-Motoren ausgestattet.
1999 verteidigt Mika Häkkinen seinen Weltmeistertitel auf dem McLaren-Mercedes MP4-14, David Coulthard kommt auf Platz 4 der Fahrerwertung. In der Konstrukteursmeisterschaft sichert sich McLaren-Mercedes den Vizetitel. Die Vizetitel der Konstrukteurswertung holen Häkkinen und Coulthard auch in den folgenden Jahren. In der Fahrerwertung fahren hinter Michael Schumacher (Ferrari) Mika Häkkinen auf dem McLaren-Mercedes MP4-15 im Jahr 2000 auf Platz 2 und Coulthard auf Rang 3.
Seinen knapp verpassten Sieg aus der Vorsaison holt Lewis Hamilton 2008 ebenso knapp nach: Auf McLaren-Mercedes MP4-23 entscheidet er kurz vor dem Ende des Saisonfinales die Meisterschaft für sich. Der Grand Prix von Brasilien wird durch Regen vor dem Start und noch einmal kurz vor dem Ende besonders schwer. In der letzten Kurve des 71-Runden-Rennens überholt Hamilton den Konkurrenten Timo Glock (Toyota) und sichert sich damit Platz 5 in diesem Lauf. Das genügt, um in der WM-Wertung mit 98 Punkten zu gewinnen. Im Alter von 23 Jahren, 9 Monaten und 26 Tagen ist Hamilton damit der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Für Vodafone McLaren-Mercedes ist sein Titel der dritte Fahrertitel der Formel 1 nach 1998 und 1999. In der Konstrukteurswertung belegt Vodafone McLaren-Mercedes Platz 2.
In der Saison 2009 tritt Vodafone McLaren-Mercedes mit dem neuen Rennwagen MP4-24 an. Siegreich ist aber ein zweites Team, dessen Formel-1-Fahrzeuge von Mercedes-Benz Motoren angetrieben werden: Der Brite Jenson Button vom Team Brawn Mercedes entscheidet auf dem BGP 001 allein fünf der ersten sechs Rennen für sich und wird schließlich Weltmeister der Formel 1, sein Teamkollege Rubens Barrichello erreicht Platz 3.
Zur Saison 2010 knüpft die Daimler AG dann schließlich an die nach 1955 unterbrochene Tradition an und startet mit einem eigenen Werksteam in der Formel 1: Durch die Übernahme von Brawn GP entsteht aus dem britischen Rennstall das neue Team MERCEDES GRAND PRIX. Nach dem Abschluss eines langjährigen Sponsorenvertrags mit dem malaysischen Öl- und Gas-Unternehmen Petronas Ende 2009 wird der Teamname schließlich auf MERCEDES GRAND PRIX PETRONAS, kurz MERCEDES GP PETRONAS, festgelegt. Zur Sensation wird die Verpflichtung von Michael Schumacher als Mercedes-Benz Pilot für die neue Werksmannschaft: Der siebenmalige Weltmeister der Formel 1 fährt 2010 einen der beiden Silberpfeile. Sein Teamkollege ist Nico Rosberg.
Mit dem Beginn der Saison 2010 schließt sich für Michael Schumacher und für Mercedes-Benz ein Kreis. Denn als Mercedes-Benz Junior ist Schumacher 1990 und 1991 in der Gruppe C und DTM gefahren, und mithilfe von Mercedes-Benz ist er 1991 in die Formel 1 eingestiegen – am 25. August 1991 in Spa-Francorchamps mit Jordan. Bei MERCEDES GP PETRONAS tritt nun Schumacher das Erbe der letzten Formel-1-Werkspiloten von Mercedes-Benz an, zu denen neben dem fünffachen Weltmeister Fangio auch Stirling Moss, Karl Kling, Hans Herrmann und Piero Taruffi gehören. Außerdem erneuert Schumacher auch seine Zusammenarbeit mit Teamchef Ross Brawn, mit dem gemeinsam er bei Benetton und Ferrari seine 7 WM-Titel gewonnen hat. Nico Rosberg, der dreimal als Dritter ins Ziel kommt, beendet die Saison 2010 auf Platz 7. Michael Schumacher schließt das Jahr auf Platz 9 der Fahrerwertung ab und MERCEDES GP kommt auf den 4. Platz der Konstrukteursmeisterschaft.
In der Saison 2012 tritt die Werksmannschaft unter dem neuen Team-Namen MERCEDES AMG PETRONAS F1 an. Nico Rosberg gewinnt am 15. April den Großen Preis von Shanghai und kommt am 27. Mai in Monaco auf den 2. Platz. Michael Schumacher erzielt beim Großen Preis von Europa am 24. Juni in Valencia mit Platz 3 sein bestes Saisonergebnis. Zum Ende des Jahres beendet der Rekord-Weltmeister seine aktive Karriere. Sein Nachfolger am Steuer des Silberpfeils wird Lewis Hamilton – der Weltmeister von 2008.
2013 tritt das Mercedes-Team mit dem W04 an. Zu Beginn der Saison erzielt der neue Mercedes-Pilot Lewis Hamilton zwei 3. Plätze bei den Grand-Prix-Rennen in Malaysia und China. Nico Rosberg gewinnt am 26. Mai in Monaco. Weitere Podiumsplätze für das Werksteam folgen in Kanada (Lewis Hamilton, Platz 3), Ungarn (Sieg für Hamilton), Belgien (Hamilton, Platz 3), Indien (Rosberg, Platz 2), Abu Dhabi (Rosberg, Platz 3). Das Mercedes-Team beendet das Jahr 2013 mit 360 Punkten auf dem 2. Platz der Konstrukteurswertung, in der Wertung der Fahrermeisterschaft kommt Lewis Hamilton auf Platz 4 und Nico Rosberg auf Platz 6.
Die Saison 2014 wird alle Teams über ein neues Reglement für die neuen Fahrzeuge wieder vor große Herausforderungen stellen. Dazu gehören beispielsweise eine 1,6-Liter-V6-Power Unit mit Turbo-Aufladung, ausgeweitete Hybrid-Funktionen, ein Getriebe mit acht statt sieben Gängen und neue Vorgaben für die Aerodynamik-Komponenten, um die Abtriebswerte zu verringern. Pro Rennen und Fahrzeug sind 100 Kilogramm Treibstoff erlaubt. Insgesamt bedeuten die Vorgaben einen Minderverbrauch des V6-Motors im Vergleich zum bisherigen V8 von rund 30 Prozent.
Den fünften Anlauf auf die Krone der Fahrer und Konstrukteure seit dem Comeback nimmt die Truppe um den neuen Sportchef Toto Wolff und Technikchef Paddy Lowe mit ihrem neuen Silberpfeil F1 W05, der ein heißer Tipp vieler Experten ist, wenn es um den schnellsten 2014er-Boliden für Lewis Hamilton und Nico Rosberg geht.
Der Silberpfeil W05 verfügt über eine sogenannte Staubsaugernase, die eher breit geformt ist. Die Frontpartie zeigt einen Buckel hin zum Cockpit. Die Taille ist wie bei vielen Konkurrenten schlank, der Wagen wirkt insgesamt grazil. Bei der Farbgebung bleibt Mercedes klassisch und seinem traditionellen Silber treu – mit den hellgrünen Akzenten des Hauptsponsors Petronas, einem malaysischen Ölkonzern. Dazu tauchen wieder die Schriftzüge der Smartphone-Marke BlackBerry auf. Eine Botschaft an Ex-Pilot und Markenbotschafter Michael Schumacher (45), der seit seinem Skiunfall in Meribel/Frankreich am 29. Dezember 2013 im künstlichen Koma liegt, ist auf der seitlichen Cockpitbegrenzung lackiert: „KeepFightingMichael“ (Kämpfe weiter, Michael) – die Kennzeichnung für Social-Media-Beiträge, die der Legende und seiner Familie Mut machen sollen.
Sein Nachfolger Lewis Hamilton, der ein ganz besonderes Augenmerk auf den Monaco-Grand-Prix geworfen hat, will in seiner zweiten Heimat Monaco unbedingt triumphieren und nach Möglichkeit mit der selbst gewählten Startnummer 44 um den zweiten WM-Titel (nach 2008) seiner Karriere kämpfen.
Lewis Hamilton beim Grand Prix von Monaco, 26. Mai 2013.
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Sein erster großer Sieg: Der Grand Prix von Kanada in Montreal ist im Jahr 2007 das erste Rennen, das Lewis Hamilton für das Team Vodafone McLaren Mercedes in der Formel 1 gewinnt.
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Englisches Gold in Silverstone: Auch den Heim-Grand-Prix in England gewinnt der britische McLaren-Mercedes Pilot Lewis Hamilton im Jahr seiner Weltmeisterschaft 2008.
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Britischer Heimsieg: Der Schotte David Coulthard gewinnt den Großen Preis von England im Jahr 2000 auf einem McLaren Mercedes MP4-15.
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Großer Preis von Italien, 13. September 1998. Der spätere Weltmeister 1998, Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes MP4/13.
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Silberpfeile in Silverstone: David Coulthard auf einem McLaren-Mercedes MP4-15 beim Großen Preis von England im Jahr 2000.
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Der doppelte Weltmeister: Im Jahr 1999 holt Mika Häkkinen zum zweiten Mal in Folge den Fahrertitel der Formel 1. Hier ist der finnische McLaren Mercedes Pilot beim Grand Prix von Frankreich in Magny-Cours mit seinem MP4-14 unterwegs.
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Der Sieger von Interlagos: David Coulthard siegt mit einem McLaren-Mercedes MP4-16 beim Großen Preis von Brasilien im Jahr 2001.
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Auf fürstlicher Piste: David Coulthard im McLaren Mercedes MP4-17 auf dem Weg zum Sieg beim Grand Prix von Monaco im Jahr 2002.
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Bis die Reifen qualmen: Kimi Räikkönen entscheidet den Großen Preis von Belgien des Jahres 2004 für sich und McLaren Mercedes.
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