Schon 1907 mit Allradantrieb: Eine traktionsreiche Geschichte

12.02.2019
Stuttgart

Maximale Traktion durch den Antrieb aller Räder eines Fahrzeugs: Diese Lösung hat eine lange Vorgeschichte in der Mercedes-Benz Markenhistorie. Bereits 1903 formuliert Paul Daimler, Sohn des Automobilpioniers Gottlieb Daimler, entsprechende Pläne für die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Das erste alltagstaugliche DMG-Automobil mit Allradantrieb ist der 1907 konstruierte „ Dernburg-Wagen“. Der Tourenwagen hat zudem sogar eine Vierradlenkung und ist auf den Einsatz im damaligen Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia) zugeschnitten, wo er ab 1908 viele Tausend Kilometer zurücklegt – auch in schwerem Gelände.

Sowohl die DMG in Stuttgart als auch Benz & Cie. in Mannheim entwickeln weitere Allradfahrzeuge. Ein besonderer Bedarf besteht während des Ersten Weltkriegs. So produziert die DMG ab 1917 den Artillerieschlepper KDI 100, welcher gemeinsam mit der Krupp AG entwickelt wurde. Dieses erste Großserien-Allradfahrzeug der DMG wird in mehr als 900 Exemplaren gebaut. Nach Kriegsende wird das nun „DZ“ (für „Daimler-Zugwagen“) genannte Allradfahrzeug in verschiedenen Leistungsstufen für zivile Kunden angeboten.

Bei Benz & Cie. entstehen in dieser Zeit unter anderem die Militär-Geländewagen VRL und VRZ. Anfang der 1920er-Jahre liefert das Unternehmen 24 Exemplare des gepanzerten Allradautomobils VP 21 an die Polizei.

Durch die Fusion der beiden ältesten Automobilmarken der Welt entsteht im Jahr 1926 die Daimler-Benz AG mit der Marke Mercedes-Benz. Die Kompetenz für Allradantriebe der beiden Vorgängerunternehmen fließt in neue Konstruktionen ein. Der 1936 entwickelte Typ 170 VL (W 139) mit permanentem Allradantrieb gilt als Vorstufe des Mercedes-Benz G 5 (W 152). Dieser 1938 in London vorgestellte und bis 1941 gebaute „Kolonial- und Jagdwagen“ mit drei Differenzialsperren, zuschaltbarer Vierradlenkung und Fünfgang-Schaltgetriebe (davon ein reiner Geländegang) kann in verschiedenen Karosserievarianten für militärische und private Kunden geordert werden. Einige Exemplare bleiben bis weit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Bergwacht im Einsatz. Erst das G-Modell wird im Jahr 1979 die Traditionslinie von Allrad-Personenwagen der Stuttgarter Marke wieder aufgreifen.

Eingebaute Universalität: Unimog

Für herausragende Mercedes-Benz Kompetenz in schwierigstem Gelände steht seit Beginn der 1950er-Jahre zunächst ein Nutzfahrzeug: der Unimog, kurz für Universal-Motorgerät. Der kompakte Allrad-Alleskönner wird 1946 entwickelt und zunächst bei Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd und ab 1948 bei Boehringer in Göppingen in Serie gebaut. Ab 1950 übernimmt die Stuttgarter Marke das Projekt. Der Unimog bewährt sich als landwirtschaftliche Zugmaschine genauso wie bei Transporten auf und abseits der Straße, er eignet sich für den Winterdienst ebenso gut wie für Baustelleneinsätze und sogar für Rangierfahrten auf Eisenbahngleisen. 1972 bildet die Unimog-Technik zudem Basis der bis 1991 angebotenen Systemtraktoren MB-trac.

Auch die Mercedes-Benz Lastwagen profitieren ab 1950 von der zusätzlichen Traktion eines Allradantriebs. Der LA 3500 basiert auf dem erfolgreichen Lastwagen L 3500, die Ingenieure integrieren den Allradantrieb mit minimalem Zusatzgewicht. Der geländegängige Lkw überzeugt die Kunden in Kiesgruben und auf Baustellen genauso wie auf der Straße. Zusammen mit den größeren Typen LA 4500, LA 315 und LG 315 beginnt so in den 1950er-Jahren eine andauernde Allrad-Erfolgsgeschichte für Mercedes-Benz Nutzfahrzeuge aller Typen und Größen.

Nach dem Erfolg des Allradantriebs im G-Modell integriert Mercedes-Benz die Technik in den 1980er-Jahren auch in andere Personenwagen. Die Lösung hat 1985 Premiere, sie heißt 4MATIC. Es ist ein Allradantrieb der neuesten Generation, der unter anderem durch die Verwendung von Elektronik einen optimalen Antrieb in verschiedenen Fahrsituationen bietet. Grundlage dafür ist unter anderem das 1978 eingeführte Anti-Blockier-System (ABS), die darauf aufbauende Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) und das automatische Sperrdifferenzial (ASD). Die 4MATIC zeigt ihre Stärken vor allem bei ungünstigen Wetterbedingungen wie Nässe, Glatteis oder Schnee durch vorbildliche Fahrstabilität und Traktion. Anfang 1987 erfolgt die Markteinführung der 4MATIC in der Baureihe 124. Der Allradantrieb wird kontinuierlich weiterentwickelt und kommt in immer mehr Baureihen zum Einsatz. Ab 1997 in der Mercedes-Benz E-Klasse der Baureihe 210 wird die 4MATIC mit dem Elektronischen Traktions-System 4ETS kombiniert, welches die Funktion von Differenzialsperren übernimmt und für ein noch besseres Vorankommen auf schlechtem Untergrund sorgt. Heute ist der Allradantrieb 4MATIC in allen Personenwagen von Mercedes-Benz lieferbar, und die verkauften Stückzahlen der damit ausgerüsteten Modelle steigen kontinuierlich.

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